Decoding the IP69K Standard
,

Die Norm IP69K entschlüsselt

Wenn Ingenieure über Umweltschutzklassen für Elektronik sprechen, beginnen sie häufig mit den Schutzarten IP67 oder IP68. Diese Schutzarten sind aus dem Consumer-Bereich und von industriellen Sensoren weit verbreitet bekannt. In hygienekritischen Produktionsumgebungen wie der Lebensmittelverarbeitung oder der Pharmaindustrie sind diese Schutzklassen jedoch oft nicht ausreichend.

Genau hier kommt IP69K ins Spiel.

Wenn Hardware für anspruchsvolle Anwendungen spezifiziert wird, ist das Verständnis der Unterschiede zwischen IP67, IP68 und IP69K entscheidend. Bei der INOVIS Live Automation AG in der Schweiz beraten wir regelmässig Kunden, die davon ausgehen, dass ein Schutz gegen Untertauchen automatisch auch eine Beständigkeit gegen Hochdruckreinigung bedeutet. In der Praxis handelt es sich jedoch um völlig unterschiedliche Anforderungen.

Das IP-System verstehen

Das Ingress Protection (IP)-Bewertungssystem wurde von der International Electrotechnical Commission (IEC) definiert. Es beschreibt, wie gut ein Gehäuse gegen das Eindringen von festen Fremdkörpern und Flüssigkeiten geschützt ist.

Die erste Ziffer steht dabei immer für den Schutz gegen feste Partikel wie Staub. Eine „6” bedeutet beispielsweise vollständig staubdicht.

Die zweite Ziffer beschreibt den Schutz gegen Wasser. Genau hier liegen die wesentlichen Unterschiede zwischen IP67, IP68 und IP69K.

IP67 und IP68 konzentrieren sich auf den Schutz beim Eintauchen.
IP69K hingegen steht für Beständigkeit gegen aggressive Reinigungsprozesse mit hohem Druck und hoher Temperatur.

Direkter Vergleich: IP67 vs. IP68 vs. IP69K

Nachfolgend eine strukturierte Übersicht mit Gemeinsamkeiten und entscheidenden Unterschieden:

SchutzartStaubschutzArt des WasserschutzesPrüfbedingungenTypische AnwendungEinschränkung
IP67Staubdicht (6)Zeitweiliges UntertauchenBis 1 m Tiefe für 30 MinutenAussengeräte, IndustriesensorenNicht für Hochdruckstrahlen geprüft
IP68Staubdicht (6)Dauerhaftes UntertauchenHerstellerspezifische Tiefe (oft >1 m)Marineelektronik, UnterwassersystemeKeine Prüfung gegen heisse Hochdruckreinigung
IP69KStaubdicht (6)Hochdruck- und Hochtemperaturstrahl80–100 bar, bis 80°C, mehrere SprühwinkelLebensmittelproduktion, hygienische FertigungNicht für dauerhaftes Untertauchen vorgesehen

Was IP69K grundlegend unterscheidet

Die Schutzarten IP67 und IP68 simulieren eine passive Wasserbelastung. Dazu wird das Gerät ins Wasser getaucht und auf Undichtigkeiten geprüft. Dabei ist der Druck statisch und gleichmässig verteilt.

IP69K hingegen simuliert eine dynamische, mechanische Belastung. Dabei treffen Hochdruckwasserstrahlen das Gehäuse aus verschiedenen Winkeln und aus kurzer Distanz. Das Wasser ist heiss und wird mit erheblicher Kraft aufgebracht. Dadurch entstehen thermische Schocks und mechanische Belastungen der Dichtungen.

Ein Gerät kann den Test nach IP68 problemlos bestehen und dennoch bei IP69K versagen. Ein Tauchtest bildet die extreme mechanische Beanspruchung durch einen Hochdruckreiniger nicht nach.

Warum Untertauchschutz allein nicht ausreicht

In Betrieben der Lebensmittelverarbeitung gehören tägliche Reinigungszyklen mit Wasser bis 80 °C und Drücken bis 100 bar zum Standard.

Während dieser Reinigungen wirken mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig.

  • Schnelle Temperaturwechsel
  • Ausdehnung und Zusammenziehen der Innenluft
  • Mechanische Kompression der Dichtungen
  • Chemische Einwirkungen durch Reinigungsmittel.

Klassische Dichtungskonzepte können zwar das dauerhafte Untertauchen überstehen, jedoch versagen sie unter dieser kombinierten Belastung.

Deshalb bestehen IP69K-Systeme typischerweise aus Edelstahlgehäusen, verfügen über lüfterlose Konstruktionen und nutzen vollständig abgedichtete M12-Steckverbinder. Sie sind so ausgelegt, dass Druckunterschiede keine Feuchtigkeit ins Innere ziehen können.

Praxisbeispiel aus der Industrie

Betrachten wir eine moderne Molkerei, in der SCADA- und HMI-Systeme direkt an den Abfüllanlagen montiert sind. Die Bediener überwachen den Durchsatz und die Prozessparameter in Echtzeit. Gleichzeitig werden diese Anlagen mehrmals täglich intensiv gereinigt.

Wenn hier ein Standard-IP67-Panel-PC eingesetzt wird, kann durch die wiederholte thermische Belastung Feuchtigkeit durch geschwächte Dichtungen eindringen. Mit der Zeit führt die Kondensation zu Schäden an der internen Elektronik.

Ein IP69K-zertifiziertes System wurde genau für dieses Szenario entwickelt.

Industrielle Lösungen über INOVIS

Die INOVIS Live Automation AG ist ein Schweizer Industriepartner, der zertifizierte IP69K-Lösungen führender Hersteller wie Premio Inc. und Aplex Technology liefert.

Der Edelstahl-Panel-PC SIO-W221 von Premio Inc. beispielsweise ist speziell für Washdown-Umgebungen konzipiert und verfügt über eine Druckausgleichstechnologie, die interne Unterdruckeffekte bei Temperaturwechseln verhindert.

Der PhanTAM-921C von Aplex Technology legt besonderen Wert auf ein hygienisches Design mit vollständig flacher Front und blauen Silikon-O-Ringen, die in der Lebensmittelindustrie gut sichtbar sind.

Beide Systeme sind über INOVIS in der Schweiz erhältlich und werden mit technischer Beratung sowie Lifecycle-Planung angeboten.

Strategische Entscheidung: Die richtige Schutzklasse wählen

Die Wahl zwischen den Schutzarten IP67, IP68 und IP69K hängt vollständig von der Einsatzumgebung ab.

Wenn ein Gerät nur gelegentlich ins Wasser fallen kann, ist die Schutzart IP67 ausreichend.
Wird es hingegen dauerhaft unter Wasser betrieben, ist IP68 erforderlich.
Wenn das Gerät jedoch regelmässig Hochdruck- und Hochtemperaturreinigungen ausgesetzt ist, ist nur IP69K dafür ausgelegt.

Die falsche Schutzklassenspezifikation kann zu vorzeitigem Ausfall, hohen Kosten und regulatorischen Problemen führen.

Oft wird die IP-Schutzklasse als einfache Steigerung verstanden. Tatsächlich ist IP69K jedoch kein höherer Wert, sondern ein völlig anderes Prüfkonzept, bei dem der Fokus auf einer aggressiven industriellen Reinigung statt auf dem Untertauchen liegt.

IP69K stellt sicher, dass digitale Systeme tägliche Reinigungszyklen in hygienischer Fertigung, Lebensmittelproduktion und pharmazeutischen Anwendungen zuverlässig überstehen.

Die INOVIS Live Automation AG in der Schweiz unterstützt Unternehmen dabei, Umweltrisiken korrekt zu bewerten und die passende Industriehardware für langfristige Betriebssicherheit auszuwählen.

Wenn in Ihrer Umgebung Hochdruckreiniger, Dampf und chemische Reinigungsmittel zum Einsatz kommen, ist IP69K keine Option. Es ist eine Voraussetzung.

FAQ

No accordions found

Ist IP69K automatisch besser als IP68?

Nicht grundsätzlich. IP69K ist für die Hochdruckreinigung ausgelegt, IP68 hingegen für das dauerhafte Untertauchen. Welche Schutzart die bessere Wahl ist, hängt von der Anwendung ab.

Kann ein IP68-Gerät einer Hochdruckreinigung standhalten?

Nicht zwingend. IP68 prüft das Untertauchen, nicht die Belastung durch heisse Hochdruckwasserstrahlen.

Wird IP69K nur in der Lebensmittelindustrie verwendet?

Nein, auch in der Pharmaindustrie, der Chemiebranche und in hygienisch sensiblen Produktionsbereichen kommt IP69K häufig zum Einsatz.

Warum wird bei IP69K-Systemen Edelstahl verwendet?

Edelstahl ist korrosionsbeständig, hygienisch und widerstandsfähig gegen aggressive Reinigungsmittel.

Bietet INOVIS Beratung bei der Auswahl der richtigen Schutzklasse?

Ja. Die INOVIS Live Automation AG in der Schweiz unterstützt Kunden bei der technischen Bewertung der Umgebung und empfiehlt passende, zertifizierte Lösungen.

13 Kommentare zu „Die Norm IP69K entschlüsselt“

  1. Avatar von Klára Jelínek
    Klára Jelínek

    Besonders schätze ich, wie verständlich das IP-Schutzsystem hier erklärt wird. Wenn man die Bedeutung der beiden Ziffern kennt, lassen sich teure Fehler bei der Auslegung des Systems vermeiden.

  2. Avatar von Sigrid Zehetner
    Sigrid Zehetner

    Eine sehr gute Erklärung der tatsächlichen Unterschiede zwischen IP67, IP68 und IP69K. Viele gehen fälschlicherweise davon aus, dass Schutz gegen Eintauchen automatisch auch Hochdruckreinigung bedeutet. Dieser Artikel erklärt den Unterschied sehr praxisnah.

  3. Avatar von Brianna Perez
    Brianna Perez

    Sehr gut erklärt! Der Artikel macht deutlich, dass IP69K mehr als nur ein technisches Detail ist: Es kann einen echten Unterschied für die Zuverlässigkeit von Geräten im Feld machen.

  4. Avatar von Lara Droz
    Lara Droz

    Dieser Artikel verdeutlicht sehr gut, warum Schutzklassen bei industriellen Geräten nicht zu unterschätzen sind. Die Kombination aus Hochdruck- und Hochtemperaturtests macht IP69K zu einer der strengsten Schutzklassen.

  5. Avatar von Marion Hornig
    Marion Hornig

    Das war sehr interessant zu lesen. Besonders gut dargestellt wurde hier die praktische Bedeutung des IP69K-Standards für reale industrielle Anwendungen. Solche Beiträge helfen dabei, technische Anforderungen besser zu verstehen.

  6. Avatar von Pär Gustafsson
    Pär Gustafsson

    Insbesondere in automatisierten Produktionsumgebungen wird IP69K immer wichtiger. Geräte müssen heute nicht nur zuverlässig arbeiten, sondern auch intensiven Reinigungsprozessen standhalten. Dieser Beitrag ist sehr gut und erklärt das Thema verständlich.

  7. Avatar von Marte Pettersen
    Marte Pettersen

    Ein wirklich hilfreicher Beitrag! Gerade bei der Auswahl von Industriehardware wird der Unterschied zwischen den verschiedenen IP-Schutzklassen oft nicht genau verstanden. Dieser Artikel erklärt sehr gut, warum IP69K in besonders anspruchsvollen Anwendungen erforderlich sein kann.

  8. Avatar von Nikol Horák
    Nikol Horák

    Vielen Dank für die verständliche Erklärung des IP69K-Standards. Viele Anwender unterschätzen, wie wichtig der Schutz gegen Hochdruck- und Heisswasserreinigung sein kann. Dieser Beitrag hilft dabei, die Relevanz dieser Zertifizierung für industrielle Hardware sehr gut zu verstehen.

  9. Avatar von Patric Ziegler
    Patric Ziegler

    Ein sehr informativer Beitrag über den IP69K-Standard. Gerade in industriellen Umgebungen, in denen Geräte extremen Bedingungen ausgesetzt sind, spielt diese Schutzklasse eine entscheidende Rolle. Besonders interessant finde ich, wie wichtig IP69K in Branchen wie der Lebensmittelproduktion, dem Transportwesen oder der Outdoor-Automation geworden ist.

  10. Avatar von Sarina Gasser
    Sarina Gasser

    Eine gut aufgebaute Darstellung, die die Relevanz des Themas überzeugend unterstreicht.

  11. Avatar von Elia Wüthrich
    Elia Wüthrich

    Der Beitrag vermittelt die Inhalte klar und strukturiert und zeigt die wichtigsten Punkte sehr verständlich auf.

  12. Avatar von Mara Zöllig
    Mara Zöllig

    Der Beitrag zum IP69K Standard erklärt sehr anschaulich, welche Anforderungen an besonders robuste Geräte gestellt werden und wie wichtig dieser Schutzgrad für anspruchsvolle Industrieumgebungen ist.

  13. Avatar von Riccardo Morandi
    Riccardo Morandi

    Ein sehr aufschlussreicher Beitrag! Die Erklärung des IP69K-Standards macht dessen Bedeutung im Alltag verständlicher. Genau solche Klarheit braucht die Industrie.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Site ist auf wpml.org als Entwicklungs-Site registriert. Wechseln Sie zu einer Produktionssite mit dem Schlüssel remove this banner.